Streik in den Räumen der Charité
Solidarität ist die Zärtlichkeit der Proleten
PDF-Datei
Wir waren, sagen wir es vorsichtig, irritiert. Worüber?
Über die Aussetzung oder Beendigung des gemeinsamen Streiks der KollegInnen der CFM GmbH und der Charité- Universitätsmedizin Berlin durch die Tarifkommissionen von ver.di und gkl im Mai.
Und wir stehen nach allem, was wir auf den Stationen und in den Bereichen gehört haben, damit nicht allein. Die Eckpunkte des Tarifvertrages der Charité blieben hinter den Forderungen der Streikenden erheblich zurück. Bis heute ist der Tarif nicht unterschrieben, es laufen immer noch die sog. Redaktionsverhandlungen.- Oder?
Die Geschäftsführung der CFM musste nur Verhandlungen zu einem Tarifvertrag ankündigen, um die Gewerkschaften zu einer Unterbrechung des Streiks zu bewegen. 4 Monate später nun stehen die Kollegen der CFM erneut im Arbeitskampf. Diesmal aber ohne die Kollegen der Charité, denn die sind bis auf die in der CFM Gestellten in der Friedenspflicht. So wird erzählt.
Ob ein nicht unterschriebener Tarifvertrag wirklich zur Friedenspflicht führt, sollten die Gewerkschaftsmitglieder wohl mit ihren Funktionären abklären.
Der solidarisch miteinander geführte Streik wurde so verunmöglicht oder zumindest stark erschwert.
Die Situation der Streikenden ist alles andere als einfach.
- Die Politik sortiert sich in den Koalitionsgesprächen neu. Der rot/rote Senat unter dem die CFM gegründet wurde, ist Geschichte. Die zukünftige Koalition wird aber so bald an der Konstruktion der CFM wohl auch nichts ändern wollen. Sie ist ja kurzfristig betrachtet ein Erfolgsmodell für Einsparungen zu Lasten der Beschäftigten. Angeblich handelt es sich für die Charité um eine Einsparsumme von 168 Millionen Euro seit Gründung der Tochtergesellschaft. Die CFM gehört zu 51% der Charité und diese wiederum ist ein Landesbetrieb.
Und auch für die anderen drei Gesellschafter (Vamed, Hellmann, Dussmann) wird sich das Unternehmen wohl lohnen.
- Die Geschäftsführung der CFM kämpft mit harten Bandagen. Sie droht illegitim mit Kündigungen bei Streikbeteiligung. Sie engagierte einen zusätzlichen Security- Service, der auch Streikteilnehmer bedrängte. Plakate und Infomaterial werden immer wieder von den Wänden genommen. Es wird massiv Leasingpersonal zum Streikbruch eingesetzt. Beschäftigte fürchten eine zusätzliche Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen indem z.B. die Dienstpläne extra schlecht für sie erstellt werden.
- n Eine Notdienstvereinbarung für den Streik scheiterte am Desinteresse der CFM. Die CFM- Geschäftsführung ist damit bereit, eine Gefährdung von Charité- Patienten in Kauf zu nehmen. Aber auch dies genügte dem Charité- Vorstand noch nicht, Einfluss auf die Tochter CFM zu nehmen und eine entsprechende Vereinbarung anzumahnen.
- Die Belegschaft der CFM besteht aus CFM- Angestellten und aus Mitarbeitern der Charité, die in der CFM gestellt sind. Viele Kolleginnen verfügen nur über einen befristeten Arbeitsvertrag.
- Hinzu kommt ein Verwirrspiel durch eine DGB Gewerkschaft, die ein Angebot der Geschäftsführung der CFM zu Lohnanpassungen angenommen hat- ohne Tarifvertrag. Und nun nicht zum Streik aufruft.
Trotzdem streiken die KollegInnen der CFM.
Jeder von uns dürfte einen gewissen Einblick in die Arbeitsbedingungen der Kollegen im Catering, im Transport, in der Reinigung, in der Logistik usw. haben. Fast jeder von uns weiß, was es heißt, mit wenig Lohn auszukommen. Und wir wissen alle, in der CFM sind die Löhne noch einmal deutlich niedriger als an der Charité.
Deshalb: Solidarität ist dringend notwendig!
- Die Gewerkschaften fordern uns dringend auf, keine Streikbrecherarbeiten durchzuführen auch wenn es mal wieder heißt: „Ihr müsst doch an die Pateinten denken!” Es gibt in unseren Augen keinen Grund, dieser Aufforderung der Gewerkschaft nicht zu folgen.
- Streikauswirkungen sollten durch uns als solche bezeichnet und auch bekannt gegeben werden. Der Vorstand der Charité kann damit daran erinnert werden, dass wir es als seine Pflicht ansehen, sich schnell für die Verbesserung der Verdienst- und Arbeitsbedingungen an der CFM einzusetzen, um so auch die Versorgungsqualität der Patienten zu verbessern.
- Es gibt auch viele Gründe zu den Streikenden aufzuschließen und sie bei ihren Aktivitäten zu unterstützen. Nach dem Dienst und vor dem Dienst…
- Streikversammlungen, Demonstrationen, Diskussionen können für uns Charité- Beschäftigte die Möglichkeit sein, etwas an Unterstützung zurückzugeben, die uns die CFMler im Mai zukommen ließen.
- KollegInnen der CFM, die sich noch nicht zur Beteiligung am Streik durchringen konnten, benötigen vielleicht unser Zureden und unsere Nachfragen, um für ihre eigenen Interessen einzutreten.
- Die Empörung über die Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen der CFM- KollegInnen, mit denen wir ja täglich zu tun haben, darf man durchaus schriftlich dem Vorstand der Charité zukommen lassen.